Timelapse- und Hyperlapse-Experimente (Teil 1)

Der Trend ist nun über 5 Jahre alt – also alt genug, dass ich mich auch mal damit auseinandersetze 🙂 Denn der Effekt wirkt noch immer: Zeitraffer.

Das Endprodukt ist eigentlich immer ein Video, welches eine deutlich kürzere Abspieldauer hat, als der abgebildete Zeitabschnitt in Echtzeit lang wäre, welches also im Zeitverlauf „gerafft“ ist – kurz: Es scheint sich um ein beschleunigtes Video zu handeln. Für die Erstellung gibt es grundsätzlich zwei Herangehensweisen:

  1. Softwareseitige Beschleunigung: Man nimmt ein „normales“ Video mit z.B. 30 Bildern in der Sekunde (30 fps = frames per second) und beschleunigt dieses in einer Videobearbeitungssoftware auf z.B. 500%, um die 5-fache Geschwindigkeit zu erreichen. Wenn innerhalb des Videoprojektes meist noch alle Einzelbilder des Originalclips (30 fps * 5 = 150 fps) erhalten bleiben, werden spätestens beim Rendern des Endproduktes einfach Bilder ´rausgeschmissen, um die Zielbildfrequenz von wahrscheinlich wieder 30 fps zu erreichen. Hier wird dann tatsächlich nur jedes fünfte Bild des Originals genutzt.
  2. Angepasste Aufnahmebildrate: In vielen Fällen wird heute allerdings eher die Bildfrequenz (Bilder pro Sekunde) des Aufnahmegerätes im Gegensatz zur Abspielbildrate verringert. Beispiel: Wenn das Endprodukt 30 fps haben soll, allerdings nur 2 Bilder pro Sekunde aufgenommen werden, wird das Bildmaterial hier durch dieses Verhältnis von 30:2 entsprechend 15-fach beschleunigt. Hier werden also direkt bei der Aufnahme nur die benötigten Einzelbilder aufgenommen. Hier gilt
    [Abspielbildrate] / [Aufnahmebildrate] = [Beschleunigungsfaktor]

    Klingt langweilig, wird aber eventuell im Verlauf – spätestens in geplantem Teil 2 dieser Artikelserie – noch wichtig 🙂

Beide Techniken lassen sich natürlich miteinander kombinieren, also Quellmaterial mit angepasster Aufnahmebildrate zusätzlich in der Postproduktion beschleunigen.

Neben dieser Unterscheidung bzgl. des Quellmaterials sind vor allem verschiedene Endprodukte möglich. Meiner Meinung nach sollte man drei Arten von Zeitraffer auseinanderhalten. Ich habe mal meine Footage-Schublade durchsucht und drei Beispiele zusammengeklöppelt. Da sich von Equipment über Hard- und Software sowie bis zur Postproduktion-Kompetenz alles auf einem Amateur-Niveau abspielt, bitte nicht zu viel erwarten 🙂

Timelapse

Das ist die „klassische Zeitraffer“. Die Kamera steht normalerweise auf einem Stativ und der Bildwinkel ist völlig unbewegt. Die Geschwindigkeit, die „Raffung“, kann variieren und dient meist dazu, besonders langsame Vorgänge, die in Echtzeit kaum zu bemerken sind, sichtbar zu machen. Klassische Motive sind Sonnenauf- und -untergänge (z.B. von 30 Minuten auf 30 Sekunden beschleunigt), sich öffnende Blüten, bewegende Wolken und Sternenhimmel.

Motion Timelapse

Die „bewegte Zeitraffer“ ist der Timelapse sehr ähnlich, allerdings kann die Kamera rudimentäre Bewegungen vollführen, z.B. Schwenks, kleine Vor- oder Rückwärtsbewegungen oder Kombinationen davon. Diese Bewegungen sind meist motorisiert erzeugt, da sie minimal, aber sehr gleichmäßig sein müssen (z.B. Drehstativköpfe: 180°/Std. oder Slider: 1m/Std.). Größere Bewegungen wirken beim Rendern des beschleunigten Endproduktes meiner Meinung nach oft hektisch. Der Sinn dieser bewegten Zeitraffer liegt darin, etwas mehr Spannung und Abwechslung gegenüber einer statischen Kameraposition zu erzeugen.

Hyperlapse

Hyperlapse lässt sich am besten mit „Raumraffer“ übersetzen: Die Kameraposition kann während der Aufnahme völlig frei positioniert und bewegt werden. Auch der Bildausschnitt kann frei variieren. Dadurch entstehen „Kamerafahrten“ incl. einer Zeitraffung. Der Bewegung sind keinerlei Grenzen gesetzt: Treppen, Menschenmengen, unendliche Distanzen, … Das „Kunststück“ besteht dabei dann eher in einer reibungslosen (sprich: ruckelfreien) Bewegung.

Lessons learned

Bei der Produktion aller drei Arten von Zeitraffern habe ich viele Versuche in den sprichwörtlichen Sand gesetzt und ein paar Sachen gelernt:

Bei der unbewegten „Timelapse“ ist vor allem die Kameraposition und -fixierung wichtig. Viele meiner Aufnahmen sind daran gescheitert, dass die Kameras (gerne auch das Smartphone in der kostengünstigen Kunststoff-Halterung) auf meinen Low-Budget-Stativen im Wind gewackelt haben. Besonders bei der nachträglichen softwareseitigen Beschleunigung sind Verwackelungen nur sehr aufwändig wieder auszubügeln – und meist von Qualitätsverlusten begleitet, da das Quellmaterial in meinem Falle max. 1080p hat und nachträgliche Bildstabilisation eigentlich immer nur mit Zoom und Zuschnitt möglich ist. Das führt zu Qualitätsverlusten durch die Bildvergrößerung oder „nur“ zu 720p-Produktionsergebnissen. Folgerichtig habe ich dann Aufnahmen durch ein geschlossenes Fenster versucht, nur um mit Spiegelungen und Regentropfen konfrontiert zu sein 🙂

Bei den „Motion Timelapses“ ist darüber hinaus eine stabile und gleichmäßige Bewegung der Kamera sowie das Verhältnis von Dynamik des Bildmotivs, Zeitraffung und Kamerabewegung wichtig: Freihändig fast nicht zu machen, habe ich mit Drehstativkopf, Eieruhr und „Kameraauto“ (s. Teil 3 der Artikelserie, folgt) experimentiert. Das Kunststück besteht darin, alle Bewegungen gut aufeinander abzustimmen. Beispiel: Dreht sich die Kamera endlich um 180°/Std. und macht 1 Bild/Sek., bewegen sich die Wolken plötzlich nicht mehr, weil es gerade windstill ist. Dann muss man die Aufnahme nachträglich beschleunigen, was dann allerdings dazu führt, dass der Kameraschwenk deutlich schneller wirkt als geplant…

Im Bereich „Hyperlapse“ müssen die Einzelbilder oder das Ausgangsvideo ebenfalls beschleunigt werden. Der Effekt lebt aber vor allen Dingen von einer beinahe unnatürlich ruhigen Kameraführung. Hier kommt also der Bewegungsstabilisierung eine elementare Bedeutung zu. Diese kann meines Erachtens nur softwareseitig erfolgen: Entweder direkt bei der Aufnahme (bei Smartphones z.B. mit dem iOS-Zeitraffermodus oder Apps wie „Hyperlapse“, s. Teil 2 der Artikelserie, folgt) oder in der Postproduktion (z.B. mit dem After Effects-Tracker, s. Teil 4 der Artikelserie, folgt).

Darüber hinaus sollte man den Zeitaufwand nicht unterschätzen: Wenn man einmal davon ausgeht, 1 Minute beschleunigtes Endprodukt zu haben, benötigt man für eine 15-fache Beschleunigung dementsprechend 15 Minuten Rohmaterial + Verschnitt + Auf- und Abbau. 15 Minuten entspricht bei einem „Eieruhr“-Schwenk übrigens einer Vierteldrehung. Für langsamere Schwenks funktionieren weder Eieruhren noch kostengünstige Drehstativköpfe. Und wenn man dann im Stadtpark eine Viertelstunde sein Telefon beobachtet, wie es sich auf der Eieruhr dreht, muss man auch die irritierten Blicke der Spaziergänger ertragen 🙂

Bei Aufnahmen von Sonnenauf- oder -untergängen oder Sternenhimmeln verlängert sich die Aufnahmezeit natürlich entsprechend. Und umso länger die Aufnahmezeit, um so wichtiger ist die Aufstellung und „Windunanfälligkeit“ der Kamera.

Und nicht zuletzt bei den „Motion Timelapses“ sollte man ein paar Gedanken in die Planung (Kameraposition, Kamerabewegung, Bildmotiv) investieren: Passt die Kamerabewegung zur Bewegung im Bild? Sollte sich der Bildausschnitt zum Beispiel mit den Wolken bewegen (die Kamera „schaut den Wolken hinterher“) oder lieber entgegengesetzt (das verstärkt den Bewegungseffekt)?

Wie immer im Leben gilt, dass nur Ausprobieren hilft. Bei meinen Versuchen ist sicherlich noch „Luft nach oben“, aber je mehr Erfahrungen man macht, desto besser die Ergebnisse 🙂 – Also einfach mal ausprobieren: Dafür gibt es Tipps und Infos

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